Wie alles begann: ein 286er und ein Piepsmodem
Meine ersten digitalen Gehversuche machte ich mit zarten neun Jahren. Damals konnte man Computer noch mit einem Turbo-Knopf schneller machen. Zumindest glaubte man das. Natürlich habe ich ihn gedrückt, obwohl niemand so genau wusste, was er eigentlich bewirkt.
Während meine Kollegen auf dem Game Boy spielten, wollte ich verstehen, wie Computer miteinander kommunizieren. Ein guter Freund meiner Eltern führte ein Computerfachgeschäft und schenkte mir regelmässig ausgemusterte Geräte. So landeten immer wieder alte PCs bei mir, die ich auseinanderbaute, reparierte und wieder zum Laufen brachte.
Ende der 90er kam dann das Internet dazu. Mein erstes Modem arbeitete mit 33,6 kbit/s und produzierte dieses unverwechselbare Einwahlgeräusch, das heute wohl nur noch Technik-Nostalgiker zu schätzen wissen. Die Telefonleitung im Geschäft meiner Eltern war dadurch regelmässig blockiert. Bis ich irgendwann ISDN durchsetzen konnte. Danach gab es kein Zurück mehr.
Beruf und Leidenschaft
Netzwerke, Kommunikation und technische Schnittstellen faszinieren mich bis heute. Beruflich bin ich trotzdem nicht direkt in der IT gelandet. Nach meiner Ausbildung zum Elektriker absolvierte ich die Weiterbildung zum Elektroinstallations- und Sicherheitsexperten mit Meisterprüfung sowie verschiedene Weiterbildungen im Bereich Gebäudeautomation. Heute arbeite ich im Elektroengineering an einer grossen Verkehrsdrehscheibe und beschäftige mich täglich mit komplexen technischen Infrastrukturen.
Ein Rechenzentrum im Keller
Für viele Menschen bedeutet ein Keller zusätzlichen Stauraum. Für mich bedeutete er etwas anderes: ein eigenes Rechenzentrum. Während andere eine Bar oder ein Heimkino bauen, entstanden bei mir Serverracks, Netzwerktechnik, USV-Anlagen und zwei Glasfaseranschlüsse. Heute stehen auf rund 20 Quadratmetern Server, Storage-Systeme und Netzwerkinfrastruktur, die verschiedenste Projekte und Dienste betreiben.
Besonders spannend wurde es, als ich eine zweite, geografisch unabhängige Glasfaseranbindung realisieren wollte. Eine nördliche Anbindung über unseren Energieversorger war bereits vorhanden und in Betrieb. Aber wie jeder Infrastruktur-Nerd weiss: Redundanz hat man entweder, oder man hat zu wenig davon. Und ausserdem wollte ich nicht, dass bei einem einzigen Baggerunfall gleich alles stillsteht.
Swisscom war von dieser Idee allerdings nicht sofort begeistert. Unser Dorf lag bei der Priorisierung gefühlt irgendwo zwischen «Kabelkeller entstauben» und «VDSL2-Umrüstung in Planung». Dank einer alten Freileitung, etwas Hartnäckigkeit und einer gesunden Portion Sturheit gelang es schliesslich trotzdem, den FTTH-Ausbau für die südliche, georedundante Anbindung voranzutreiben.
Irgendwann stellte sich die Frage nach einem passenden Namen für das Ganze. So entstand TORZ: TO steht für Toggenburg, RZ für Rechenzentrum.
TORZ heute
- Hauptstandort Gähwil SG im Toggenburg
- Anbindung Init7 und iWay, zwei unabhängige Glasfaseranschlüsse mit je 10 Gbit/s
- Strom Server und Netzwerk über eine USV gepuffert
- Weitere Standorte Colocation-Räume und virtuelle Rechenzentren (VDC) in Zürich und Genf
- Websites bei Hosttech in der Schweiz
- Schutz Cloudflare vor den öffentlichen Diensten
- Betrieb privat und ohne kommerziellen Hintergrund; kein Hosting- oder Colocation-Angebot
Inzwischen ist aus dem ursprünglichen Hobbyprojekt zwar etwas Grösseres geworden. Trotzdem ist und bleibt das Ganze ein Hobby. Ein ziemlich technisches Hobby zwar, aber eben eines, das mir einfach Spass macht.
Wenn ich nicht gerade an einem LoRaWAN-Projekt arbeite, einen Zeitserver betreibe, an Netzwerkdiensten tüftle oder neue Ideen umsetze, verbringe ich meine Zeit am liebsten mit meiner Familie und mit Freunden. Da meine Systeme meist genau das tun, was sie sollen, nämlich redundant und hochverfügbar laufen, muss ich nicht ständig im Serverraum nach dem Rechten sehen.
Einige meiner Projekte und Experimente findest du auf dieser Website. Viel Spass beim Stöbern. Und falls du dich fragst: Nein, der Turbo-Knopf funktioniert heute leider immer noch nicht.
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